GESIS - Leibniz-Institut

Umbau 2023, Köln

GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Nach einem Wasserschaden, der drei Geschosse mit jeweils rund 200 Quadratmetern betraf, stand GESIS zunächst vor der Aufgabe, die zerstörten Büroflächen wiederherzustellen. Statt die bestehende Einzelbürostruktur einfach zu rekonstruieren, wurde die Chance ergriffen, die Arbeitswelt grundsätzlich neu zu denken.

Innerhalb eines sehr kurzen Planungszeitraums wurde gemeinsam mit den rund 40 betroffenen Mitarbeitenden ein neues Arbeitsplatzkonzept entwickelt. In einem digitalen Workshop wurden Bedürfnisse und Arbeitsweisen der einzelnen Abteilungen erfasst und gemeinsam die Frage gestellt: Wie viel Raum braucht es für Konzentration, Zusammenarbeit und Gemeinschaft?

Gemeinschaft bekommt einen Ort

Im ersten Obergeschoss war der Wunsch nach Austausch und Gemeinschaft besonders groß. Direkt im Eingangsbereich entstand deshalb eine offene Küche mit einem langen Stehtresen, ergänzt durch unterschiedliche Sitzmöglichkeiten.

Der Bereich ermöglicht verschiedene Formen des Aufenthalts, vom kurzen Gespräch im Vorbeigehen bis zum längeren gemeinsamen Arbeiten. Die Küche wird zum sozialen Mittelpunkt der Etage und schafft einen Ort, an dem Begegnung selbstverständlich Teil des Arbeitsalltags wird.

Ergänzt wird die Gemeinschaftsfläche durch eine zentral gelegene „Aula“. Sitzstufen, mobile Hocker und flexibel nutzbare Medien ermöglichen unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit, vom spontanen Austausch bis hin zu Workshops und strukturierten Besprechungen.

Wenn Räume Verhalten verändern

Ich war von Anfang an von der Idee eines neuen Konzeptes für unsere Arbeitsräume sehr begeistert und wollte unbedingt, dass die GESIS Räumlichkeiten zu einem Treffpunkt werden, wo die Kolleg*innen in Austausch kommen, und nicht isoliert in ihren Büros arbeiten.
 
Was ich nicht erwartet habe ist wie schön, angenehm und funktional das realisiert werden konnte. Ihre Arbeit ist tatsächlich wunderbar! Nicht nur ästetisch schön, aber auch praktisch und angenehm. Schon in der erste Woche nach Einzug haben neue Gewohnheiten eingesetzt. Alle Teams treffen sich zu Mittagessen im zentralen Ort, viele Meetings werden auch aktiver gestalltet in der „Aula“, und Leute wissen schon viel mehr von einander und der Arbeit der Kolleg*innen.

– PROF. DR. ALEXIA KATSANIDOU SCIENTIFIC DIRECTOR- SURVEY DATA CURATION GESIS - LEIBNIZ INSTITUTE FOR THE SOCIAL SCIENCES

Konzentration und Zusammenarbeit

Die beiden oberen Geschosse folgen einer anderen Gewichtung. Hier lag der Wunsch der Mitarbeitenden stärker auf Bereichen für konzentriertes Arbeiten und einer zentralen Fläche für Zusammenarbeit.

Im Eingangsbereich jeder Etage bildet deshalb eine großzügige Kollaborationsfläche den gemeinsamen Mittelpunkt. Herzstück ist eine eigens für das Projekt entwickelte Workbench, die gemeinsames Arbeiten, Besprechungen und spontanen Austausch ermöglicht.

Die umliegenden Räume sind als kleinere Einheiten für konzentriertes Arbeiten organisiert und bewusst nicht fest einzelnen Personen zugeordnet. Persönliche Arbeitsmaterialien finden in individuell zugewiesenen Lockern Platz. So können die Mitarbeitenden flexibel zwischen Rückzug und Zusammenarbeit wechseln.

Gestaltung schafft Identität und Orientierung

Das Farb- und Materialkonzept unterstützt die unterschiedlichen Funktionen der Räume. Jede Etage erhält eine eigene Akzentfarbe, die Orientierung schafft und den jeweiligen Bereichen eine erkennbare Identität gibt.

Offene Gemeinschafts- und Kollaborationsflächen sind bewusst lebendiger gestaltet, während die Rückzugsorte ruhiger gehalten sind. Akustisch wirksame Wand- und Deckenelemente, Vorhänge und Leuchten unterstützen die unterschiedlichen Nutzungen und werden selbstverständlich Teil der Gestaltung.

Von Wissenschaftler:innen umgeben

Auch bei der Gestaltung der Wandflächen wurden die Mitarbeitenden aktiv einbezogen. Unter dem Titel „Von Wissenschaftler umgeben“ konnte jede der drei Abteilungen Wissenschaftler vorschlagen, deren Arbeit oder Persönlichkeit für sie eine besondere Bedeutung hat.

Auf dieser Grundlage wurde in Zusammenarbeit mit Olga Wagner für jede Persönlichkeit eine individuelle Bildwelt entwickelt. Biografien, Forschungsgebiete und prägende Arbeiten wurden recherchiert, inhaltlich interpretiert und zu Collagen verdichtet. Diese dienten anschließend als Grundlage für die großformatigen Illustrationen, die eigens für das Projekt skizziert und auf Leinentapeten gedruckt wurden.

So erzählen die Wände nicht nur von bedeutenden Persönlichkeiten und ihren wissenschaftlichen Arbeiten. Sie spiegeln auch die Interessen der Menschen wider, die bei GESIS arbeiten und die Auswahl selbst mitgestaltet haben. Wissenschaft wird damit sichtbar, persönlich und zu einem Teil der Identität der jeweiligen Etage.

Jede Illustration wird durch einen eigenen QR-Code ergänzt. Beim Scannen gelangen die Mitarbeitenden auf eine interne GESIS-Seite, auf der die jeweilige Persönlichkeit und die Hintergründe der Illustration näher vorgestellt werden. Dort ist auch die von Olga Wagner entwickelte Collage zu sehen, die als inhaltliche und gestalterische Grundlage für die Illustration diente. So lässt sich die Geschichte hinter den Bildern direkt im Raum entdecken.

Fakten:
Standort: GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Köln
Projektart: Bestandsumbau / Neue Arbeitswelten

Projektstart: 2023
Projektgröße: 600 qm / drei Geschosse

In Zusammenarbeit mit:
Wagner Designkultur, Freiburg

Fotograf: Lukas Palik Fotografie