GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften

Umbau 2025, Köln

Die Fachbibliothek von GESIS befindet sich in der alten Schalterhalle der ehemaligen Herstatt-Bank in der Kölner Innenstadt. Bereits zuvor als Bibliothek genutzt, war der Raum vor allem funktional organisiert: Hohe Regalreihen bestimmten das Bild und ließen die Großzügigkeit der Architektur kaum wahrnehmbar werden.

Mit der Neugestaltung wurde die Bibliothek grundlegend neu geordnet – mit dem Ziel, den historischen Bestand wieder sichtbar zu machen und zugleich einen zeitgemäßen Ort für konzentriertes Arbeiten, Recherche und wissenschaftlichen Austausch zu schaffen.

In enger Abstimmung mit den Bibliothekar:innen entstand ein Konzept, das den umfangreichen Buchbestand mit unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten verbindet. Die Anzahl der benötigten laufenden Regalmeter bildete dabei ebenso eine Grundlage der Planung wie die Anforderungen an Ruhe, Konzentration und Rückzug.

GESIS - Fachbibliothek

Offenheit und neue Raumstruktur

Sitzbereich in der Gesis-Bibliothek, Frau sitzt auf Bank mit Laptop, eine Frau geht

Ein wesentlicher Bestandteil der Neugestaltung war die Reduzierung der Regalhöhen. Statt geschlossener, hoher Regalreihen öffnen sich heute Blickbeziehungen durch die gesamte Bibliothek und machen die Großzügigkeit des Raumes wieder erlebbar.

Vier individuell entwickelte Kojen gliedern die Bibliothek und schaffen geschützte Bereiche innerhalb der offenen Fläche. Bücher und Arbeitsplätze werden dabei zu einer gemeinsamen räumlichen Struktur, Räume im Raum, die Rückzug ermöglichen, ohne sich vom Gesamtbild der Bibliothek abzuschotten.

Historischen Bestand wieder sichtbar machen

Der ursprüngliche Marmorboden der ehemaligen Herstatt-Bank war unter einem später eingebrachten Bodenbelag verborgen. Er wurde freigelegt und sorgfältig aufgearbeitet. Beschädigte Bereiche in der Mitte der Bibliothek werden heute durch eine großflächige textile Insel gefasst.

Auch die charakteristische Deckenstruktur wurde wieder stärker herausgearbeitet. Eine vollständig neue Beleuchtung mit direkten und indirekten Lichtanteilen fügt sich in die erhöhten Deckenfelder ein. In enger Abstimmung mit dem Denkmalamt wurde der historische Bestand aufgearbeitet und wieder sichtbar gemacht.

Konzentriertes Arbeiten zwischen den Büchern

Arbeitsbereich mit Schreibtisch zwei Stühlen, Frau mit hellem Pullover und langen braunen Haaren

Die vier Kojen verbinden Bücherregal und Arbeitsplatz zu einer räumlichen Einheit. Während die Außenseiten den Bibliotheksbestand aufnehmen, entstehen im Inneren geschützte Arbeitsplätze für konzentrierte Recherche und längere Arbeitsphasen.

Durch ihre Höhe geben die Kojen Geborgenheit, ohne den Raum zu schließen. So entsteht innerhalb der offenen Bibliothek ein Wechsel zwischen Weite und Rückzug, Übersicht und Konzentration.

Schreibtisch mit Stuhl und individuellem Schallschutz

Unterschiedliche Formen des Rückzugs

Neben den Arbeitsplätzen innerhalb der Kojen ergänzen ruhigere Sitzbereiche und akustisch abgeschirmte Kabinen das Angebot. Eine Telefonkabine ermöglicht kurze Gespräche, ohne die konzentrierte Atmosphäre der Bibliothek zu stören; eine weitere Kabine bietet Raum für Besprechungen zu zweit.

So kann die Bibliothek insgesamt ein ruhiger Arbeitsort bleiben und gleichzeitig auf unterschiedliche Situationen des wissenschaftlichen Alltags reagieren.

Neue Aufenthaltsqualität

Die Bibliothek ist nicht mehr ausschließlich ein Ort zum Suchen und Aufbewahren von Büchern. Unterschiedliche Sitz- und Arbeitssituationen ermöglichen konzentriertes Lesen ebenso wie kurze Pausen und informellen Austausch.

Warme Holztöne, der tiefgrüne Teppich und gezielt gesetzte Leuchten bilden einen ruhigen Gegenpol zum hellen, mineralischen Bestand und geben der großen Fläche eine neue Aufenthaltsqualität.

Fakten:
Standort: GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Köln
Projektart: Bestandsumbau / Neue Arbeitswelten
Projektstart: 2025
Projektgröße: 300 qm

In Zusammenarbeit mit:
Studio van Putten, Köln

Lichtplanung:
Planungsbüro a.g. Licht

Fotograf: Lukas Palik Fotografie