Hotel May

Entwurfsplanung 2024, Köln

Nach einem Wasserschaden, der drei Geschosse betraf, bot sich für GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften die Möglichkeit, bestehende Strukturen grundlegend zu hinterfragen und neu zu denken.

Statt die ursprüngliche Einzelbürostruktur wiederherzustellen, wurde gemeinsam mit den Nutzer:innen ein neues Arbeitsplatzkonzept entwickelt. In einem offenen Beteiligungsprozess – unter anderem durch einen digitalen Workshop mit rund 50 Mitarbeitenden – wurden die individuellen Anforderungen der Abteilungen erfasst.

Auf dieser Basis entstanden differenzierte Flächenkonzepte mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Bereiche für konzentriertes Arbeiten, Zonen für Zusammenarbeit sowie Räume für Austausch und Gemeinschaft.



Hotel May

Der Bereich ist bewusst so konzipiert, dass er unterschiedliche Formen des Aufenthalts ermöglicht – vom kurzen, spontanen Austausch im Stehen bis hin zum bewussten Verweilen auf hohen Hockern. Die Küche wird so zum sozialen Mittelpunkt der Etage und schafft einen Raum, der Begegnung fördert und den Austausch im Alltag selbstverständlich werden lässt.

Als informeller Treffpunkt unterstützt dieser Ort den täglichen Austausch und stärkt die Gemeinschaft innerhalb der Abteilung. Gespräche entstehen hier beiläufig, Verbindungen werden aufgebaut und der Arbeitsalltag wird um eine Ebene ergänzt, die über das reine Arbeiten hinausgeht.

Ergänzt wird die Gemeinschaftsfläche durch eine zentral gelegene „Aula“, die als flexibler Raum für Zusammenarbeit dient.

Ausgestattet mit Sitzstufen, mobilen Hockern sowie flexibel nutzbaren Medien ermöglicht der Raum unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit – von informellen Treffen bis hin zu strukturierten Besprechungen.



– PROF. DR. ALEXIA KATSANIDOU SCIENTIFIC DIRECTOR- SURVEY DATA CURATION GESIS - LEIBNIZ INSTITUTE FOR THE SOCIAL SCIENCES

Ich war von Anfang an von der Idee eines neuen Konzeptes für unsere Arbeitsräume sehr begeistert und wollte unbedingt, dass die GESIS Räumlichkeiten zu einem Treffpunkt werden, wo die Kolleg*innen in Austausch kommen, und nicht isoliert in ihren Büros arbeiten.

Die umliegenden Räume sind als kleinere Einheiten für konzentriertes Arbeiten ausgeführt und bewusst nicht fest zugeordnet. Ergänzend dazu wurden innerhalb der Kollaborationsfläche individuelle Locker integriert, die den Nutzer:innen ermöglichen, persönliche Arbeitsmaterialien flexibel zu verstauen und bei Bedarf wieder mitzunehmen. So entsteht eine Arbeitsumgebung, die zwischen Rückzug und Austausch flexibel wechseln kann.


Die beiden oberen Geschosse wurden in ihrer Grundstruktur identisch entwickelt. Im Eingangsbereich befindet sich jeweils eine offene Kollaborationsfläche, deren Mittelpunkt eine großzügige, eigens entworfene Workbench bildet. Diese wurde speziell für das Projekt entwickelt – mit besonderen Anforderungen an Größe, Proportion und integrierte Beleuchtung. Materialien und Farbgebung sind dabei präzise auf das Gesamtkonzept abgestimmt.

Das gezielt auf die neue Raumstruktur ausgearbeitete Farbkonzept greift die CI-Farben von GESIS auf und ergänzt sie auf jeder Etage um prägnante Akzentfarbe, die die Orientierung erleichtern und die Atmosphäre der jeweiligen Zonen unterstützen. So strahlen die offenen Community-Bereiche lebendige Farbwelten aus, die entspannen und zugleich anregen, während die Rückzugsorte bewusst dezenter gehalten sind. Um die Raumakustik in den offenen Zonen sinnvoll zu verbessern, integrierten wir individuell angepasste Akustikpaneele, sowie akustisch wirksame Vorhänge und Leuchten, die sich nahtlos in das Raum- und Akustikkonzept einfügen.

Fakten:

Standort: Gesis Leibnitz-Institut für Sozialwissenschaften, Köln
Projektart: Bestandsumbau
Projektgröße: 600 qm

In Zusammenarbeit:
Projektleitung & Koordination
Wagner Designkultur, Düsseldorf

Fotograf: Lukas Palik Fotografie